Europas grösstes, historisches Meliorationsprojekt  - der Hauptkanal in Hoyerhagen Der Meliorationshauptkanal Die Geschichte der Melioration im Herzen Niedersachsens vom Bau, Betrieb und Funktion bis heute Datenschutz Impressum Impressum Melioration des Talraumes


Melioration des Talraumes

Durch die Eindeichung der Mittelweser wurde die natürliche Düngung der landwirtschaftlichen Nutzflächen durch Hochwasser stark eingeschränkt, so daß zur Sicherstellung bzw. Verbesserung der Erträge landwirtschaftlicher Nutzflächen Bewässerungsanlagen erforderlich wurden. Durch die Bewässerungsanlagen sollte die Ablagerung feiner Sedimente auf den Nutzflächen erreicht werden, jedoch waren die betroffenen Landwirte sich uneinig, ob der Nutzen durch die Ablagerung fruchtbaren Schlicks eventuell durch gleichzeit abgelagerten Sand und Kies aufgehoben würde. Im Jahre 1856 wurden vier Stellen für Landesmeliorations-Bauinspektoren geschaffen, von denen dem Mittelwesergebiet die Inspektoren Rheinland-Westfalen und Preußen zugeordnet waren, Zeitschrift für Bauwsen (1863). An den Quell- und Nebenflüssen der Weser wurden ab 1866 zahlreiche Meliorationen durchgeführt.

An der Mittelweser wurde als größte Meliorationsanlage die ca. 4800 ha große Bruchhausen-Syke-Thedinghausener Anlage linksseitig der Weser errichtet, Bild 7.10. Das Meliorationsgebiet hat eine Länge von ca. 19 km und lag zu 6/7 auf preußischem und zu 1/7 auf braunschweigischem Gebiet. Die Meliorationsfläche umfaßte ca. 1000 landwirtschaftliche Betriebe. Die meliorierten Böden sind innerhalb des Gebietes unterschiedlich zusammengesetzt. Auf Diluvialsand mit teilweisen Lehmbeimischungen liegen bereichsweise Humus- bzw. Moorböden auf. Im Rückstaubereich der Eyter wurden Marschböden festgestellt, Hess (1892). Zum Zweck des Meliorationsbaues wurde am 28. Juli 1882 die Bruchhausen-Syker Genossenschaft gegründet. Die ursprüngliche Planung aus dem Jahre 1878 sah eine Meliorationsfläche von 7250 ha vor, was durch Widerstand der betroffenen Ortschaften Sudweyhe, Kirchweyhe und Riede verhindert wurde. Die Bruchhausen-Syke-Thedinghausener Melioration umfaßte die Bereiche Amt Bruchhausen und Amt Thedinghausen sowie die Ortschaften Wachendorf, Gödestorf, Osterholz und Okel, Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover (1886).

Die zulässige Wasserentnahme der Bruchhausen-Syke-Thedinghausener Melioration betrug 6 m³/s, Muttray (1921). Die ursprünglichen Planungen gingen von bis zu 18 m³/s, in Ausnahmefällen 25 m³/s aus. Die entsprechende Absenkung des Weserwasserspiegels wurde zu 3 mm abgeschätzt, Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover (1886). Durch die Wasserentnahme wurde der Hochwasserspiegel bei Hoya um ca. 5 cm verringert, Wasserstände unter der Ausuferungshöhe um ca. 25 cm, Keller (1901). Die Wasserentnahme aus der Weser erfolgte über den ca. 1 km oberhalb von Hoya abzweigenden Meliorationshauptkanal, die Entwässerung zur Eyter und Ochtum. Die Länge des Hauptkanals beträgt 26,8 km. Der Bewässerungshauptkanal wurde mit einem Gefälle von 1:4000 bis 1:5820 angelegt. Die Wassertiefe im Hauptkanal unmittelbar unterhalb des Einlaßbauwerks betrug 2 m, die Sohlbreite 6 m. Die Sohlenbreite verringert sich bis zur Ableitung des Thedinghausener Kanals auf 4 m, unterhalb dieses Abzweigs beträgt sie 3 m und verringert sich auf 2 m, Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover (1892). Die Abflußleistung des Hauptkanals wurde zu ca. 13,15 m³/s bei einer mittleren Strömungsgeschwindigkeit von 0,6 bis 0,84 m/s bestimmt. Die lichte Öffnungsweite des Einlaßbauwerks betrug 9,9 m, Bild 7.11. Das Meliorationswasser wird vom Hauptkanal in die Wöpser, Süstedt-Uenzener, Martfelder, Schwarmer und Thedinghausener Zweigkanäle geleitet. Die Nebenkanäle haben zusammen eine Länge von 30,2 km und führen jeweils 1,2 bis 4,5 m³/s ab. Das Gefälle in den Nebenkanälen betrug 0,2 bis 0,3 m/km, die Wassertiefe 1,2 bis 1,4 m, Hess (1892).

Das Meliorationsgebiet wurde in 54 Teilgebiete aufgeteilt. Die Größe der Teilgebiete liegt zwischen 11 und 234 ha, im Durchschnitt bei 90 ha, Hess (1892). Das Längsgefälle der Anlage betrug 1:2500, das Quergefälle 1:470 bis 1:5700. Der Wasserbedarf wurde zu 15 l/(s ha) bzw. für hochgelegene, kurzzeitig bewässerte Flächen zu 20 l/(s ha) festgelegt. Für eine einmalige Anfeuchtung im Sommer wurden 800 m³/ha angesetzt. Im Winter war bei fünffachem Bewässerungswechsel eine jeweils 14 tägige Bewässerung der Teilflächen mit 15 l/(s ha) möglich. Insgesamt wurden ca. 300 km Dämme angelegt. Die oberen und unteren Dämme der Teilgebiete erhielten 1,5 m Kronenbreite und 1:15 geneigte Außen- und 1:3 geneigte Innenböschungen. Die seitlichen Dämme erhielten eine Kronenbreite von 1 m und beiderseits 1:1,5 ausgeführte Böschungen. Die Überlaufstellen in den Querdämmen waren 1:5 geneigt, Centralblatt der Bauverwaltung (1885). Die Kronenhöhe wurde zu 0,4 m über Normalstauspiegel gewählt. Es wurden ca. 300 Ablaßbauwerke aus Holz gebaut, Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover (1892). Süstedter Bach und Eyter wurden im Rahmen der Melioration begradigt, Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover (1892). Die Sohlbreite der Eyter wurde zu 14 m festgelegt, Hess (1892).

Wegen des hohen Unterhaltungsaufwandes wurde die gesteuerte Bewässerung mit dem Aufkommen des Kunstdüngers unwirtschaftlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das System stillgelegt, Wiezorek (1982).


Bild 7.10

Lageplan der Bruchhausen-Syke-Thedinghausener Melioration,
Centralblatt der Bauverwaltung (1885).

 

Bild 7.11

Einlaßbauwerk des Bruchhausen-Syke-Thedinghausener Meliorationsgebietes, Hess (1892).

Am 18. Dezember 1880 wurde der Entwurf für die Leeste-Brinkumer Melioration vorgelegt. Am 26. November 1883 wurde die Anlage in Betrieb genommen, Bild 7.12. Die Meliorationsfläche betrug ca. 960 ha mit vorherrschendem Marschboden. Lediglich im Bereich der Ortschaft Brinkum befanden sich Bruchböden geringer Ausdehnung. Der Zuleitungshauptkanal zweigt unterhalb von Dreye links aus der Weser ab und traf nach ca. 600 m auf dem Deich. Der binnendeichs gelegene Abschnitt des Hauptkanals hatte eine Länge von 1,4 km. Die Geamtlänge von der Entnahmestelle aus der Weser bis zur Einleitungstelle in die Ochtum betrug 2,7 km. Das Gefälle des Hauptkanals wurde zu 0,3 m/km angegeben, die Sohlbreite zu 8,5 m, Hess (1892). Die Dämme wurden mit einer Kronenbreite von 1,5 m und einer Neigung von 1:4 wasserseitig und 1:2 landseitig errichtet, die Kronenhöhe zu 0,3 m über Normalwasserspiegel gewählt. Der Damm an der Kirchweyher Grenze wurde wegen des erhöhten Windeinflusses mit einer 3 m breiten Krone und einer 1:5 geneigten Böschung an der Westseite errichtet. Die lichte Öffnungsweite des Einlaßbauwerks betrug 3,3 m, Bild 7.13. Die Entnahmemenge wurde zu 5,2 m³/s festgelegt, Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover (1886). Hess (1892) gibt eine Entnahmemenge von 4,7 m³/s an.


Bild 7.12

Lageplan der Leeste-Brinkumer Melioration,
Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover (1886).

 

Bild 7.13

Einlaßbauwerk des Leeste-Brinkumer Meliorationsgebietes,
Hess (1892).

Hess (1892) empfahl den Bau einer 1500 ha umfassenden Syke-Thedinghausener Melioration der Gebiete Kirchweyhe, Südweyhe, Riede, Dibbersen und Groß Eissel. Im Jahr 1895 wurde der Bau einer 1500 ha umfassenden Meliorationsanlage im Bereich der Arberger Marsch am rechten Weserufer unterhalb von Achim vorgeschlagen, Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover (1895). Über Planungen oder Ausführung dieser vorgeschlagenen Meliorationen wurde in der Fachliteratur nicht berichtet.

In den Bereichen der Bückeburger Aue und des Gehletals wurden wegen sommerlicher Überflutungen bzw. Dürren Ausbaumaßnahmen durchgeführt. Im Jahr 1796 wurde der Auekanal angelegt. 1897/98 wurde die Bückeburger Aue auf der 1,4 km langen Strecke zwischen Petzen und Evesen ausgebaut. Meerbach und Führser Mühlenbach wurden 1817 wegen häufiger, lang anhaltender Sommerüberflutungen ausgebaut. 1899/1900 wurde eine Melioration der Meerbachniederung angelegt. Eine Entwässerungsanlage im Bereich der Bastau wurde 1856 entworfen, aber aus Kostengründen nicht verwirklicht. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts verlegte die Stadt Minden die Bastaumündung, wodurch der Bachlauf um 700 m abgekürzt wurde. Entlang der Großen Aue wurden Meliorationen zur Verbesserung des Wiesenertrages durchgeführt. Große und Kleine Aue wurden teilweise eingedeicht, Keller (1901).



WERNER ENGINEERING ©2021  |

Kontakt Impressum Datenschutz Datenschutz